Presse2018-10-24T12:20:55+00:00

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Bericht aus der Südwestpresse: Abseits der Träume liegt die Ruhe

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Bericht aus der Südwestpresse: Abseits der Träume liegt die Ruhe
Ein großer Moment am Montagabend des 19. Dezember 2016, ein besonderer Augenblick – für alle anwesenden Gäste aus nah und fern und der ordinierten Zen Mönche und Zen Nonnen und besonders für die Sensei Su sho AN und Klaus tadashi Taiki und für ihren Zen Meister E´nō Taisen Rōshi. Es ist der Tag der Bonshō 梵鐘, was so viel heißt, wie: „Buddhistische Glocke“. Sie ruft gleichermaßen zum Gebet wie zur Sammlung aber auch zum Weltfrieden auf und zu Neujahr Joyanokane 除夜の鐘 das Klingeln für die 108 Begierden, die es abzulegen gilt.
Von überall her strömen dann die Menschen um das Glockengeläut, das von einem Zen Mönch oder einer Zen Nonne beim Anschlagen der Bonshō verursacht wird, zu hören.
Mit der Wirkung der Gedanken aus den Worten unseres Rōshi verknüpft, wird der Klang der Bonshō ertönen. Lange, kräftig, rein und die Welt erhallend. Mögen alle Wesen in diesen Tagen und darüber hinaus, da wir im Westen Weihnachten feiern, voll des Friedens sein.
E´nō Taisen Marc Rõshi wird sie deshalb eine Glocke für den Frieden nennen.

Südwestpresse | Ankündigung der Bonshō Weihe

Südwestpresse | Bericht über die Bonshō Weihe

Südwestpresse | Eröffnung des neuen Zendos in Riederich am 8. April 2011
Riederich. Es soll ein Ort sein, an dem sich die Menschen achten. Das wünschen sich die Erbauer des neuen Zen-Zentrums für ihr „Haus des alltäglichen Lebens“: Riederich hat seinen eigenen, kleinen japanischen Tempel.
Tempeltaufe: Am Ende darf jeder Gast eine kleine Buddha-Statue mit süßem Wasser übergießen, ehe es für die Besucher eine Blume mit auf den Heimweg gibt.

Eröffnung des neuen Zendos in Riederich am 8. April 2011 | Südwest Presse Das neue religiöse Zentrum in der Riedericher Ortsmitte ist geweiht – mit einer Feierstunde, die für manchen Vertreter des öffentlichen und kirchlichen Lebens wie eine Reise in eine fremde Welt anmuten mochte. Im Schneidersitz auf dem Boden hockend, verfolgten die Gäste eine von Meditation und Stille geprägte Zeremonie.
Für die Gemeinde, die im Zen-Zentrum zusammenkommt, ist der Name der Stätte aber Programm. Dort ist zum einen Raum für meditative Methoden aus dem Zen-Buddhismus. Sie bauen auf Säulen wie Achtsamkeit und Akzeptanz und finden auch hierzulande immer mehr Anhänger. Zum anderen bieten die Mitglieder des Vereins „Zen-Zentrum Riederich“ in den neuen Räumlichkeiten auch Trauungen und Beerdigungen nach buddhistischem Ritus an.
Ihren Namen trägt die religiöse Stätte aber nicht zuletzt deshalb, weil „jeder Zen-Momente kennt“, wie ihr Gründer in seiner Festrede betont. Dazu gehört für ihn das Aufgehen in der Musik und in der Arbeit ebenso, wie das stille Innehalten. „Zen ist das Leben an sich. Deswegen ist dies ein Haus des alltäglichen Lebens.“
Der in Riederich lebende Philosoph, Mediziner und Psychologe hatte sich bereits in den 80er-Jahren während eines jahrelangen Aufenthalts im japanischen Kyoto zum Lehrer des Zen-Weges ausbilden lassen.
Sein erstes Zen-Zentrum gründete er 1989 in einer Wohnung in Grafenberg. 1991 zog er in größere Räume in Riederich, neben der damaligen Naturheilpraxis. Beruflich hat es Marc inzwischen nach Eningen verschlagen – das Zen-Zentrum bleibt in der Riedericher Entenbachstraße, wo es seit Dezember 2010 ausgebaut und saniert worden ist. Nicht umsonst sind die neuen Räume am 8. April geweiht worden: Der Tag ist Buddhas Geburtstag.

Redaktion: Christina Hölz * Foto: Thomas Kiehl

Presse Riedericher Nachrichten

RIEDERICH/ZZR. Am 8. April abends war es soweit. Geladene Gäste, darunter Bürgermeister Bender mit seiner Ehefrau, Pfarrer Fritz Braun und Vertreter der christlichen Kirchen, Gäste aus Japan und ordinierte Zenschüler waren zugegen, als Zenmeister E´nõ Tai sen die neuen Räume in der Entenbachstrasse einweihte.

Das ZENZENTRUM RIEDERICH (ZZR) e. V. gibt es seit 1989. Zunächst war es in einer Wohnung in Grafenberg untergebracht, danach ab 1991 etwas größer in Riederich. Am 12. September 2006 wurde das ZZR ein eingetragener Verein und vom Finanzamt Bad-Urach als gemeinnützige, religiös fördernde Körperschaft anerkannt. Die Mitglieder des ZZR, das sind ordinierte ZEN Schüler, sind unterrichtend tätig. Von beauftragten ZEN-Schülern werden Trauungen und Beerdigungen nach buddhistischem Ritus durchgeführt. Regelmäßig stattfindende Meditationstage, die Sesshin genannt werden, finden immer mehr Zuspruch. An jedem Montag ist für ZEN Schüler und eingeführte Gäste gemeinsames Zazen (Meditation im Sitzen). Das Zenzentrum wurde von E´nõ Tai sen gegründet, der nach längerem Aufenthalt in Kyoto / Japan von seinem Zen Meister Inka, also den Auftrag zur Lehre bekam und dadurch selbst ein Lehrer des ZEN Weges geworden ist. In Zenkreisen kennt man ihn unter seinem Ordinationsnamen „E´nõ Tai sen Rôshi“. Ihm als Assistenten zur Seite stehen: Su sho AN Marc und Klaus tadashi taiki Gurk. Letzterer war auch der bauaufsichtsführende Architekt. Am 8. April – gleichzeitig ist dieser Tag Hanamatsuri butsu tanjo e 佛 诞生 会 – Buddhas Geburtstag – weihte E´nõ Tai sen mit seinen ordinierten Schülern im Beisein geladener Gäste das neue ZENDO in Riederich (Bauzeit Dezember 2010 – April 2011) ein. Was jeder hier sehen kann, ist das Ergebnis vieler Jahre seiner persönlichen und auch finanziellen Entbehrungen und täglich vieler Arbeit. Doch ein jeder Zenmeister, sobald er sein Heimatkloster verlässt, erbaut zu irgendeinem Zeitpunkt einen eigenen Tempel – hier in Riederich nun dieses ZENZENTRUM.

Für alle Beteiligten und geladenen Gäste war es ein Einblick in eine scheinbar andere Welt. –doch der Name dieses Zenzentrums ist Programm, denn er lautet: nichijo seikatsu ji, was soviel bedeutet, wie: Haus des alltäglichen Lebens. Eine Botschaft aus diesem besonderen Tag möge alle Riedericher Bürger erreichen: Die Zen – Gemeinschaft wünscht Ihnen allen viel Freude, dieses Leben zu meistern und Frieden für unsere Gemeinde.

禅堂 Z E N Z E N T R U M e. V.

ZEN-DÕ 選仏場 Nichijo seikatsu-ji 毎日の運動寺

www.zenzentrum.de * zen@zenzentrum.de

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LEBENSANSCHAUUNG

Auf der Suche nach dem Ich kann man das reine Nichts finden

RIEDERICH/JAPAN Ich habe es mir lange überlegt, ob ich es tun soll. Da war diese böse Vorahnung, dieses Grummeln tief im Bauch. Wenn Du ins Zenzentrum gehst, wenn Du eine Sitzung mitmachst, wenn Du mit diesen anderen Menschen eine andere Welt betreten willst – dann wirst Du ruhig sein müssen. Du wirst nicht sprechen dürfen. Für mich eine Horrorvision. Trotzdem: Ich gehe hin zum Zen-Meister aus Riederich.

Visionen können wahr werden – das stelle ich jetzt fest, als ich hier auf einer Wollmatte knie. Um mich herum 15 andere, die Knie an Knie einen Kreis bilden. Ein bischen sehen sie alle aus wie kleine Buddhas. Aber dies ist keine buddhistische Gemeinschaft, wie man mir versichert. Es wird hier nur abgeschaltet – auf buddhistischen Grundlagen. Um abzuschalten muss man achtsam sein, erfahre ich jetzt. Und achtsam – achtsam geschieht hier alles. Im Zeitlupentempo schenken zwei Schülerinnen uns Tee ein – und wir verneigen uns mindestens ein Dutzend Mal voreinander. Gemeinsam schweigend sitzen wir danach da und lassen den Tee die Kehlen hinunterrinnen. Wir schlucken im Gleichtakt.

Der Meister und die Schüler gehen in sich, sie sprechen Verse und ich kann nicht mitreden, weil ich die Verse nicht kenne. Dann spricht nur noch einer – der Meister. Mir fällt es schwer zuzuhören, weil es in den Kniekehlen zwackt und weil ich sehen will, was die anderen machen. Sie sitzen da – so ruhig. Da höre ich den Meister sagen: „..und nestle nicht an Deinen Kleidern und lasse Deine Augen nicht umherschweifen“. Das war ich. Ich war´s. Und auch alle anderen wissen, dass ich gemeint bin, obwohl ihre Augen geschlossen sind. „Die

Erleuchtung kann auch beim Kloputzen kommen“.

Den Satz spricht der Zenmeister bei seinen Rezitationen gelassen aus. Bei mir schlägt es ein wie eine Bombe. Was meint er damit? Meine Gedanken werden wirr. Ich muss mich selbst tadeln, denn viel zu sehr noch hänge ich an meiner Welt und meinem Alltag.

Die Stille

Vor mir liegen noch zwei Perioden des Schweigens. Zwei mal 15 (oder gar 20?) Minuten. Nach dem zweiten Schweigen hat mir die Assistentin des Rôshi gesagt, wird mich der Meister antippen. Das Zeichen dafür rauszugehen zum Interview.
Es gongt. Schweigen I beginnt. Die Frau neben mir bewegt sich nicht. Sie atmet nicht! Die anderen auch nicht! Nur ich – ich werde nervös. In der Nase kitzelt es, ich muss schlucken, andauernd schlucken. Panik. Ich zähle die klitzekleinen Löcher in den Bodenplatten. 102, 102, 103 – es gongt, 15 Minuten sind um. Der Rôshi tippt mich an. Ich erschrecke. Wir haben doch erst einmal geschwiegen.
Wir sitzen jetzt im Nebenzimmer. „Sie sind kein sehr ruhiger Mensch“ – das ist keine Frage, das ist eine Feststellung, die er mir schmunzelnd auf den Kopf zusagt. Was soll ich antworten? Warum das Offensichtliche kommentieren? Jetzt schweige ich freiwillig.
Aber nicht lange.
„Wie haben Sie das mit der Kloschüssel gemeint“, frage ich den Meister. Der sinniert. Das mit der Kloschüssel sagt er, sei schon ein starkes Symbol. „Beim Kloputzen reinigt man gründlich, also von Grund auf. Beim Kloputzen beseitigt man Fäkalien, die in den Kreislauf der Natur zurückgehen. Man reinigt nicht nur eine Toilettenschüssel. Man reinigt die Welt.

Die Mönche

Der Rôshi hat schon viele Klos geputzt. In Japan, in einem Kloster in Kyoto, in das ihn der Hunger trieb. Damals war er vor persönlichen Problemen geflohen, hatte sich ins nächstbeste Flugzeug gesetzt – das dann in Japan landete. Dort stand er ohne Geld, ohne Perspektive. Bis ihn das Kloster aufnahm und die buddhistischen Mönche von Kyoto ihn zum Nachdenken brachten. „Und ich war damals empfänglich für Gedanken mit einem Selbstfindungsansatz“, erinnert sich Marc an die Zeit im Kloster.
Beim Ansatz sollte es dann aber nicht bleiben mit der Selbstfindung. Er wurde Zen-Schüler. Er hat im Kloster geputzt und den Garten bearbeitet, er hat auf den Straßen betteln müssen und er hat viel nachgedacht über Fragen, die ihm die Zen-Meister gestellt haben. Er hat diskutiert darüber, wie sehr sich der Mensch seiner Sozialisation entledigen muss, um dann auf das pure Ich zu treffen.
Jetzt schaut er mich an. „Ein Beispiel: Wie kommt die Evelyn durch die Rupprecht? Wie das Kamel durch das Nadelöhr? Wie findet man sich selbst?“, fragt er mich. Bin ich ein Kamel? Verstehe ich Henry Marc deshalb nicht? Ich ahne etwas. Ich ahne, daß es schwer ist, sich seiner Sozialisation zu entledigen. Und ein bisschen habe ich auch Angst vor dem, was ich in mir selbst finden könnte. Aber da muss ich durch. „Was finde ich denn in mir“? frage ich. Er muss es wissen – er war zehn Jahre Schüler (auch bei einem Mönch in Deutschland) und ist nun ebenso lang selbst Meister. Der Meister bleibt mir die Antwort nicht schuldig. „Nichts werden Sie finden. Leere. Nicht die Lehre mit H. Die mit zwei E. So wie wir alle“.
Die Antwort gibt mir den Rest. Was ist mit den anderen 15 – die, die draußen im Kreis sitzen, und allmontaglich zu ihm kommen, um nichts zu suchen. Warum sitzen die da? Warum kommen Menschen aus nah und fern nach Riederich zu ihm?
Und wieder ahne ich etwas. Er sieht aus wie einer, der etwas gefunden hat – und das ist nicht nichts.
Und ich?
Ich gehe und weiß, daß ich jetzt mehr weiß als vor meinem Besuch im Zenzentrum.
Ich weiß nur nicht, was es ist, was ich weiß.

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